Dienstag, 27. Dezember 2016

Carl Zuckmayer zum 120. Geburtstag


1896 in Nackenheim (Rheinhessen) geboren, wuchs er in Mainz auf, war von 1914 bis 1918 Soldat im ersten Weltkrieg, Ende 1918 Student, zunächst an der Universität Frankfurt am Main, dann in Heidelberg. Jura, Nationalökonomie, Philosophie und Soziologie, Literatur- und Kunstgeschichte, Biologie sind seine Fächer, bis er 1920 sein Studium aufgibt und nach Berlin zieht, wo sein erstes dramatisches Werk („Kreuzweg“) uraufgeführt wird. 1925 gelingt ihm der Durchbruch mit der Komödie „Der fröhliche Weinberg“. Weitere bekannte Werke Zuckmayers sind „Der Hauptmann von Köpenick“, „Schinderhannes“ und „Des Teufels General“. Außerdem stammt das Drehbuch zu dem Film „Der blaue Engel“ von ihm.
Von den Nazis 1933 verboten, lebt und arbeitet er zunächst in Österreich, dann in der Schweiz, bevor er 1939 in die USA emigriert. Ab 1946 ist er wieder regelmäßig in Europa, in Deutschland, lässt sich 1957 dann in der Schweiz nieder, wo er 1977 stirbt.


Wie kam Zuckmayer zu Bellman?
Von Wahlverwandtschaft ist im Klappentext zu seinem Bellman-Theaterstück die Rede …

Während seiner Studentenzeit in Heidelberg wurde Zuckmayer Teil des Kreises um Wilhelm Fraenger, Kunsthistoriker und Direktor des Instituts. Fraenger hatte diese „Gemeinschaft“, wie er es nannte, gegründet, um mit den jungen Leuten, Studenten, und auch Professoren Musikveranstaltungen, Dichterlesungen, Lichtbildervorträge u.v.m. auf die Beine zu stellen.
Die Lieder Carl Michael Bellmans waren hier ein fester Bestandteil des Programms. Hans Fehr, Professor der Rechte aus Muri bei Bern, sang Bellman, Wilhelm Fraenger selbst sang und spielte Bellman auf der Laute und Zuckmayer, der Bellman nach eigenen Angaben schon vorher für sich entdeckt hatte, begleitete sich wie ein Bänkelsänger auf der Gitarre.
In seiner Autobiographie („Als wär’s ein Stück von mir“) berichtet Zuckmayer, wie einmal ein „Bellman-Abend“ vorbereitet und aufgeführt wird. Zusammen mit Fraenger hatte er eine lose Szenenfolge verfasst, die mit Gesang und Tanz, von Laute, Oboe, Cello, Waldhorn begleitet, Szenen aus Bellmans Leben darbot. Die „Gesänge“ und „Episteln“ wurden „werktreu“ wiedergegeben (in Übersetzung von Felix Niedner und Hanns von Gumppenberg vermutlich), während die verbindenden Texte und Szenen eher improvisiert wurden.
Dies gab Zuckmayer wohl auch die Anregung zu seinem Bellman-Theaterstück, das er Jahre später schrieb. – weiteres s. im folgenden Blog

Das Pfeifen der ersten Takte von „Weile an dieser Quelle“ diente den Freunden damals und noch lange später als Erkennungszeichen.
Zu diesem Freundeskreis gehörte auch Carlo Mierendorff, den Zuckmayer in Frankfurt kennengelernt hatte. 1941 veröffentlichte dieser unter dem Pseudonym „Carl Willmer“ das Bändchen „Bacchanal im Grünen“ mit Übertragungen von Bellman-Liedern.
s.a. bellman-net.de: Bibliografie –
Mierendorff war engagiertes Mitglied der SPD, fünf Jahre in Konzentrationslagern interniert und wurde 1941 Teil des Kreisauer Kreises. 1943 kam er bei einem Bombenangriff in Leipzig ums Leben.

Freitag, 4. November 2016

Klabunds Bellman

Klabund ist das Pseudonym des deutschen Schriftstellers Alfred Henschke (4.11.1890 – 14.8.1928).
Der Dichter Klabund (Lithographie von Emil Orlik, ca. 1915)

Er studierte Germanistik in München, Berlin und Lausanne, besuchte aber auch andere Vorlesungen, die ihn interessierten. 1916 brach er das Studium jedoch ab. Nebenbei hatte er begonnen zu schreiben. 1914 erschien sein erster Lyrik-Band: „Morgenrot“. Auch für die Berliner Kabaretts schrieb er: freche Chansons, Bänkel- und Brettl-Lieder. Sein bekanntestes Drama „Der Kreidekreis“, das aus seiner Beschäftigung mit fernöstlicher Literatur erwuchs, machte ihn bekannt. Bertolt Brecht adaptierte den Stoff in seinem Theaterstück „Der kaukasische Kreidekreis“. Spannend und unterhaltsam ist auch Klabunds „Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde“.

1922 veröffentlichte er in dem Band „Das heisse Herz“ seine einzige Übertragung eines Bellman-Liedes: das Notabene (Fredmans Sång 56). Im Impressum des Buches steht: „Die Gedichte entstanden in den Jahren 1914 – 1921“.

Carl Zuckmayer beschreibt in seiner Autobiographie „Als wär’s ein Stück von mir“, dass er Klabund 1919 mehrfach im Haus von Wilhelm Fraenger in Heidelberg traf. Fraenger war dort Direktor des kunsthistorischen Instituts, und scharte einen Kreis von Studenten, auch ehemaligen, und Professoren um sich, die u.a. auch Bellman-Lieder zu singen pflegten.

Im Alter von nur 37 Jahren starb Klabund in Davos. Die Tuberkulose, an der er im Alter von 16 Jahren erkrankte, konnte auch in häufigen Kuraufenthalten nie ganz ausgeheilt werden.
Zuckmayer schrieb ihm zum Abschied: „An deine Bahre treten, Klabund, in langer Reih, die Narren und Propheten, die Tiere und Poeten, und ich bin auch dabei.“


Das Notabene
Nach Bellmann [sic!]

Holt mir Wein in vollen Krügen!
(Notabene: Wein vom Sundgau)
Und ein Weib soll bei mir liegen!
(Notabene: eine Jungfrau)
Ewig hängt sie mir am Munde.
(Notabene: eine Stunde ...)

Ach, das Leben lebt sich lyrisch
(Notabene: wenn man jung ist),
Und es duftet so verführisch
(Notabene: wenns kein Dung ist),
Ach, wie leicht wird hier erreicht doch
(Notabene: ein Vielleicht noch ...).

Lass die Erde heiss sich drehen!
(Notabene: bis sie kalt ist)
Deine Liebste, sollst du sehen
(Notabene: wenn sie alt ist ...)
Lache, saufe, hure, trabe –
(Notabene: bis zum Grabe).

aus: Das heisse Herz. Balladen, Mythen, Gedichte von Klabund. Berlin: Erich Reiss Verlag, 1922.